magdeburg

gonzalo galguera «die wahlverwandtschaften»

Sachte setzt die Musik ein, wie ein leichtes, gleichmäßiges Schreiten. Für ein paar Momente bleibt es allein im Raum, dann fädeln sich zwei weitere Hände ein. Zwanzig Finger braucht es, um Franz Schuberts Klavier-Fantasie in f-Moll aus den Tasten zu zaubern. 1828 entstanden, scheint das Stück seiner Zeit vorauszueilen. Fast minimalistisch wirkt die Melodie, bevor Schubert die romantisch-melancholische Gefühlsschwingung darüberbreitet, zart wie einen Schleier.

Genauso zart, ja zärtlich beginnt der Pas de deux, in den der Choreograf Gonzalo Galguera die Liebenden verstrickt: Ottilie und Eduard (Lou Beyne, Adrián Román Ventura) am Rand des Sees. Er hebt sie an den Schläfen empor, sie erwidert seine Berührung, scheinbar blicklos. Blindes Einverständnis, als wäre all das der Hauch eines Traums und mithin die einzige Wirklichkeit, die zählt. Wenige Minuten nur, in denen sie einander gehören, aus tiefer Einsamkeit erlöst. Es ist der große Moment dieser Inszenierung, der die Figuren nackt zeigt und bloß, der ihr Innerstes nach außen wendet und ihrer Liebe ein Denkmal errichtet. Ein Memorial, das im Gedächtnis des Zuschauers stehen bleibt, wenn Schuberts Fantasie verweht, der Vorhang über ...

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Tanz November 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Dorion Weickmann