Wühlen in Archiven

Das Machtwort – vom Repertoire zum Re-Enactment

2004 stellte Hal Foster in der Zeitschrift «October» einen «archivarischen Impuls» fest, eine Lust an der Retrospektive, die überall zu sehen war: in der Video- und Medienkunst, der Fotografie, der Installation, der Performancekunst und im Tanz. Es begann der Aufstieg einer Bewegung namens «Re-Enactment». Darunter verstand man bis dahin vor allem volkstümliche Rekonstruktionen historischer Schlachten. Heute bezeichnet es eine Kunstpraxis, in der die künstlerischen Arbeiten von einst neu entdeckt und praktiziert werden.

In der bildenden Kunst setzte sich der Begriff «Re-Enactment» schnell durch. Im Tanz war man zurückhaltender, weil die Wiederbelebung alter Choreografien immer schon gängige Praxis war, nur unter anderen Namen, der «Wiederaufführung» oder der «Rekonstruktion» etwa von «Le Sacre du printemps» 1987 durch Kenneth Archer und Millicent Hodson für das Joffrey Ballet. Solche Rekonstruktionen von Tänzen bezeichnete Helen Thomas 2003 in ihrem Buch «The Body, Dance and Cultural Theory» als eine sinnvolle Restaurierung und Erhaltung von Werken, um die «weißen Stellen auf der Landkarte der Tanzgeschichte zu füllen und eine Kontinuität der Tradition zu ermöglichen».

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Tanz März 2010
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Timmy De Laet

Vergriffen