Evry Body Loves Parkour

Parkour heißt: sich geradlinig, also choreografisch, über alle Widerstände des öffentlichen Raums hinwegzusetzen. Über Zäune, Dächer, Vorgärten. Frankreichs Helden sind jung wie Spiderman und nennen sich traceurs: die Spurenleger von Evry.

Zweieinhalb Jahrhunderte nach Noverres «Lettres sur la danse et sur les ballets» geht wieder ein Ensemble französischer Begriffe um die Welt. Auf den danseur étoile folgt der traceur, auf den entrechat der saut de chat. Mit Katzen können es die traceurs aufnehmen. Sie springen waagerechter, höher, choreografischer und klettern teamfreudiger als die geschmeidigsten unserer miauenden Hausgenossinnen. Begriffe wie passe-muraille, tic-tac oder saut de détente sind bei ihnen fest etabliert. Es kommen auch englische wie backflip oder wallflip dazu.

Ein Beweis dafür, dass Parkour, eine Kunst der Fortbewegung, der art du déplacement, über keinen Noverre verfügt, der hier die Sprünge dieser Disziplin in einem traité festschriebe. Und wozu auch? Frankreich hat längst nicht mehr die Dominanz und das Prestige wie noch im 18. Jahrhundert. Die traceurs waren von Anfang an ihre eigenen Theoretiker. In David Belle und den Yamakasi haben sie ihre eigenen Leitfiguren, die eine moralische Autorität verkörpern wie einst Afrika Bambaataa und seine Zulu Nation im HipHop. Die Herausforderung: Wege probieren, die niemand zuvor gegangen ist, in möglichst gerader Linie, alle Hindernisse elegant überwindend, ...

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Tanz Juni 2008
Rubrik: Report, Seite 4
von Thomas Hahn

Vergriffen