Giftspritze

Verdi: Nabucco Berlin / Deutsche Oper

Viele Stühle auf abgedunkelter Bühne. Schlaglicht-Kegel von der Seite. Und Kostüme, die andeuten, dass die Handlung in die Entstehungszeit der Komposition verlegt wurde. So könnte man den Inszenierungsstil der 1980er- und 90er-Jahre beschreiben. Und genauso macht es Keith Warner. Warum die Deutsche Oper ihren gewiss kontroversen, aber wichtigen Neuenfels-«Nabucco» durch diese entbehrliche Produktion austauscht, bleibt ihr Geheimnis.

Der grandiose Chor, auch wenn er hier selten Gelegenheit zum Leise-Singen erhält, hätte so oder so gepunktet.

Anna Smirnova (Abigaille) legt die scheinbare Königstochter von Beginn an auf ein giftspritzendes Gorgonenhaupt fest. Was sie vorzüglich macht. (Wie lange sie das durchhält, ist eine andere Frage). Johan Reuter, ein sympathischer, brummbärig umgänglicher Nabucco, und Vitalij Kowaljow (Zaccaria) müssen bis zum Anschlag aufdrehen, um sich bemerkbar zu machen. Yosep Kang, als Haustenor sonst in der zweiten Reihe, singt als Ismaele die Vorstellung seines Lebens: jugendlich drängend, textdeutlich, schmissig mit Schmelz. Eines muss man dem ekstatisch rudernden, durchweg zu lauten Stürmer und Dränger Andrea Battistoni (26) lassen: Er dirigiert einen ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Kai Luehrs-Kaiser