Der Krimi geht weiter

Beispiel «La Vie parisienne»: Noch immer lässt die Offenbach-Philologie viele Fragen offen, auch die «kritisch-praktische» Edition von Jean-Christophe Keck

Die Offenbach-Philologie ist eine Katastrophe. Wer wissen möchte, in welcher Form der Meister seine Werke niederschrieb, greift seit 1999 zu der vom Verlag Boosey & Hawkes sogenannten «Kritischen und praktischen Ausgabe» von Jean-Christophe Keck. Die Bezeichnung macht stutzig. Eine praktische Ausgabe macht Theatern ein Werk in spielbarer Form zugänglich. Eine historisch-kritische Ausgabe druckt alle erreichbaren Quellen so ab, wie sie überliefert sind – ungeachtet ihrer Aufführbarkeit. Eine «kritische und praktische Ausgabe» ist also ein Ding der Unmöglichkeit.



Schlägt man die Kaufpartitur von «La Vie parisienne» in der Offenbach-Edition Keck (OEK) auf, stolpert man gleich über die «Ouverture de concert (Version de Vienne)» und die Angabe, dass die «Instrumentation von Jean-Christophe Keck für die Pariser Orchesterbesetzung bearbeitet» worden sei. Warum «Konzertouvertüre»? Der Kritische Bericht, der aus Kostengründen nur als CD-ROM beiliegt, gibt keine Auskunft. Wie sieht Offenbachs Originalinstrumentation aus? Auch darüber schweigt er sich aus. Welche Quellen gibt es und wo liegen sie? Das Quellenverzeichnis nennt zwei Partiturabschriften der Wiener Fassung im Verlagsarchiv Bote & ...

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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Boris Kehrmann